Zwischenruf Wirtschaft (September)

Anzeichen für einen Wirtschaftsaufschwung in Brasilien mehren sich

In den letzten Wochen haben sich die Anzeichen für eine einsetzende Erholung der brasilinischen Wirtschaft nach fast drei Jahren Rezession gemehrt. Der Konjunkturindikator der brasilianischen Zentralbank IBC-Br stieg im Juni um 0,5% gegenüber Mai und im zweiten Quartal um 0,25% nach 1,2% in den ersten drei Monaten des Jahres. Der von der Getúlio-Vargas-Stiftung ermittelte Wirtschaftsleistungsindikator PIB/FGV zog im Juni um 2,75% an, gab allerdings im zweiten Quartal um 0,24% im Vergleich zum ersten Vierteljahr nach.

Die brasilianische Industrieproduktion legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1% zu und im zweiten Quartal immerhin noch um 0,2%. Zugpferd bleibt die Rohstoffindustrie vor dem verarbeitenden Gewerbe. Der Einzelhandel verzeichnete im zweiten Quartal ein Plus von 2,5% und glich damit das Minus von 2,7% zu Jahresbeginn aus. Der erweiterte Einzelhandel, bei dem auch der Absatz von Autos, Hausgeräten und Baustoffen eingerechnet sind, wuchs von Januar bis März um 2,2% und von April bis Juni um 2,9%.

Selbst der Dienstleistungssektor konnte mit einem Wachstum von 0,3% im zweiten Quartal den Verlust in selber Größenordnung aus dem Anfangsquartal wettmachen. Der Sektor könnte sich damit schneller erholen als erwartet. Der Wirtschaftsaufschwung erreicht den Dienstleistungsbereich üblicherweise als letzten Wirtschaftssektor. Analysten führen die überraschend positive Entwicklung im zweiten Quartal auf die gesunkene Inflation, steigende Reallöhne und eine leichte Erholung auf dem Arbeitsmarkt zurück.

Die bislang vorherrschende Skepsis unter Analysten hinsichtlich der Konjunkturerholung ist nun der verbreiteten Überzeugung gewichen, dass die brasilianische Wirtschafrt in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2014 stabil bleiben oder sogar leicht wachsen könnte. Niemand erwartet allerdings einen kräftigen Aufschwung. Mit Sondereffekten wie die Auszahlung von Guthaben der Arbeitnehmersparkonten (FGTS), die im ersten Halbjahr 44 Mrd. R$ an Mitteln für den privaten Konsum freigesetzt hatte, ist im zweiten Halbjahr nicht mehr zu rechnen. Die Erholung der Industrie hat sich bereits im zweiten Quartal wieder abgeschwächt. Steigende Exporte von Industriegütern, allen voran Autos und Nutzfahrzeugen, und der anziehende private Konsum aufgrund niedrigerer Zinsen und steigender Beschäftigung könnten der Industrie wie auch dem Einzelhandel aber weiterhin positive Impulse verleihen.

Die zaghafte wirtschaftliche Erholung steht somit noch nicht auf festen Füßen. Die dreijährige Rezession hat tiefe Spuren in den Unternehmen und den brasilianischen Familien hinterlassen. Umsätze, Reallöhne und Haushaltseinkommen sind zurückgegangen. Gemessen an der Inflation sind die Zinsen in Brasilien immer noch sehr hoch. Die anhaltende politische Krise und die hohe Staatsverschuldung hemmen öffentliche Investitionen in Infrastrukturprojekte, die die Wirtschaft ankurbeln könnten. Finanzanalysten sind sich deshalb einig, dass das minimale Wachstum in diesem Jahr in erster Linie den privaten Haushalten zu verdanken sein wird.

Quelle: AHK São Paulo, Germany Trade & Invest

Wichtige Links zu ökonomischen Daten

Brasilianisches Statistisches Amt (Englisch, Spanisch, Portugiesisch):
www.ibge.gov.br

Brasilianische Zentralbank (Englisch, Portugiesisch):
www.bcb.gov.br

Brasilianisches Wirtschaftsinstitut IBRE (Portugiesisch):
www.fgv.br/Ibre

Brasilianisches Außenministerium (Englisch, Spanisch, Portugiesisch):
www.mre.gov.br

Außerdem empfiehlt sich ein Blick in die Homepage des Internetinformationsdienstes für Lateinamerika LatinFocus (Englisch, Spanisch):
www.latin-focus.com 





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